Die Orgel der Pfarrkirche

 Die historische Orgel von 1668 nach ihrer Restaurierung

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“Restaurationsseite”

Von August 2010 bis März 2012 wurde die Orgel von Grund auf restauriert. Die Pfeifen in den Ecktürmen des Orgelprospektes gaben seit mehr als 30 Jahren keinen Ton von sich, weil die Windladen zu klein dimensioniert waren. Daher galt unser besonderes Interesse der Wiederherstellung dieser Orgel, damit sie auch in Zukunft ihrer Bestimmung nachkommen kann: zur Ehre Gottes zu erklingen, den liturgischen Feiern ihre Festlichkeit zu verleihen und den Menschen mit ihrem Klang Freude zu bereiten!

Das 1668 erbaute Instrument war ursprünglich eine einmanualige Orgel mit einem kleinen angehängten Pedal. Eine solche Orgel wäre für die heutigen liturgischen Zwecke der Kirchenmusik kaum noch zu gebrauchen, weil sich Bedeutung und Entwicklung der Orgelmusik in Liturgie und Konzert in den mehr als 300 Jahren bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr deutlich verändert haben.

Orgelprospekt und Spieltisch vor der Restauration 2010

Disposition (klangliche Zusammenstellung) von Mai 1978 bis August 2010:

Blick in das Innere der alten Orgel                                (Aluminium-Abstrakten und Rohrschalmey des II. Manuals)

W. Thorwesten zeigte im Gewölbe auf Basspfeifen, die aus Platzgründen horizontal gestapelt waren

Balganlage in der Turmkammer

Windkanäle und Motor in der Turmkammer

Die 878 Pfeifen der Orgel verteilten sich - wie die obige Skizze zeigt - auf 3 Windladen, die so ungünstig platziert waren, dass die Pfeifen kaum “aussprechen” konnten. Die Anlage der Windversorgung war sehr problematisch: der über 50 Jahre alte Motor mit einer längst nicht mehr zulässigen Spulenwicklung saugte aus dem Raum der Pedallade erwärmte Luft aus dem Kirchenraum an, die aber beim Ansaugen abkühlte. Diesen abgekühlten “Wind” wirbelte der Motor in die Bälge und von dort gelangte der abgekühlte Orgelwind in ein Pfeifenwerk, das die Temperatur der Kirche aufgenommen hatte. Die Folge: die Orgel konnte nie die Stimmung halten und war somit ständig verstimmt! Das nächste Problem waren die Platzverhältnisse in der Orgel, die dem Orgelbauer so gut wie keinen Raum gaben, um die Pfeifen zu stimmen, geschweige denn sorgfältig zu intonieren. Der geringe Platz auf den Windladen führte auch dazu, dass die großen grundförmigen Pfeifen 1978 verschwanden und der Orgel somit das klangliche Fundament fehlte.

Wilfried Thorwesten am früheren Spieltisch der Orgel

Um aber dem ursprünglichen Orgelbau möglichst nahe zu kommen, haben der Orgelsachverständige des Bistums Münster Ulrich Grimpe und Orgelbaumeister Siegfried Sauer in vielen Gesprächen ein Konzept entwickelt, das sowohl die historische Bauweise der Orgel als auch die Anforderungen der Kirchenmusik berücksichtigt.

Das neue Konzept sah vor, dass das gesamte Pfeifenwerk der Orgel im Gehäuse unterzubringen sei. Darum war es notwendig, den gesamten Orgelkorpus nach vorne zur Emporenbrüstung zu ziehen, um alle Pfeifen in den Kirchenraum zu bringen. Auf einer großen Windlade in Höhe der neuen Prospektpfeifen stehen die Pfeifen für das Haupt- und Pedalwerk, wobei die Register des Pedalwerkes als Transmissions-Register des Hauptwerkes wirken. Das bedeutet: das große 16’-Register “Bordun” lässt sich sowohl im 1. Manual als auch vom Pedal spielen. Wir können davon ausgehen, dass dieses Register schon in der ersten Orgel der Pfarrkirche eingebaut war - die Vorgänger-Orgel des letzten Instrumentes hatte auf jeden Fall dieses Register im Hauptwerk platziert. Somit können auch ungeübte Organisten den Bass vom Pedal in das 1. Manual “verlegen”, was eine überaus sinnvolle Lösung ist. Darüber hinaus verleiht der Manual-Bass dem gesamten Orgelwerk das so nötige Fundament, das dem bisherigen Instrument fehlte.

Eine zweite kleinere Windlade wurde als “Cornett-Werk” mit Begleit- und Solo-Funktion erhöht über dem Hauptwerk in das Orgelwerk eingesetzt. Die Balganlage und der neue Gebläsemotor “verschwanden” im Unterbau der Orgel, so dass im Gehäuse die gesamte Orgel integriert ist. Ein genügend dimensionierter Stimmgang trägt dafür sorge, dass mühelos alle Pfeifen der Orgel erreicht, gewartet und gestimmt werden können - was zuvor so gut wie unmöglich war.

Der Spieltisch ist nun - von unten aus gesehen - links installiert. Somit ist die linke Seite am Treppenaufgang der Orgelbühne neben dem Organisten auch kleineren Instrumental- oder Vokal-Ensembles zum Musizieren vorbehalten. Die seitliche Anordnung des Spieltisches ermöglicht es dem Kantor, in den Kirchenraum und nicht in die Orgel hinein zu singen, was sich vorher nicht umgehen ließ.

In vielen Planungsstunden im Generalvikariat Münster, im Konstruktionsbüro des Orgelbauers und im Arbeitszimmer des Kirchenmusikers und nach ungezählten Telefonaten wurden Ideen und Konzepte entworfen und wieder verworfen bis eine Konzeption vorlag, die ein Instrument vorstellte, das sowohl dem historischen Gehäuse als auch den Anforderungen der Kirchenmusik im 21. Jahrhundert gerecht wird. Neben der Erhaltung und Restauration des historischen Gehäuses galt es, soviel wie möglich vom vorhandenen Pfeifenmaterial in die neue Disposition zu übernehmen.

Dispositionen der Orgel in der Lambertikirche:

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Auch wenn laut Disposition 20 Register gewählt werden können, so ist es letztlich doch eine Orgel mit 15 Registern, wobei durch die technisch interessante Konstruktion von Transmissionen das Spektrum der Orgel erweitert wurde. Der Intonationskunst des Orgelbauers war es vorbehalten, dass die Basslagen die nötige Weite und Tragfähigkeit entwickeln, um auch als Pedalwerk gebraucht zu werden. Die Transmissionen sind ein sinnvoller Kompromiss, wenn sowohl Platzverhältnisse als auch Finanzierung eines selbständigen Pedalwerkes keine andere Möglichkeit zulassen - übrigens eine Maßnahme, die auch schon dem großen Johann Sebastian Bach vertraut war.

Die neue Orgel garantiert nicht nur die erforderliche Grund-Tönigkeit, sondern verheißt durch ihre kluge Disposition eine Unzahl klanglicher Möglichkeiten. Sie ist zu allererst eine Barock-Orgel, wie man sie auch im Gehäuse vermutet, lässt aber auch durch den Fundus an 8’-Registern und überblasenen höheren Tonlagen die Musik der Romantik realisieren und bietet auch der Musik des 20. Jahrhunderts bis zur Liedbegleitung des Neuen Geistlichen Liedes eine schöne Palette unterschiedlicher Klangfarben.

Die Festschrift zur Orgelweihe liegt in den Kirchen aus und kann für 5 € erworben werden.

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Die CD zur Orgelweihe kann für 12 €   beim Kirchenmusiker erworben werden.

eine alte Orgel erzählt...

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