Restauration der Lamberti-Orgel 2010 - 2012

Das Team der Orgelbaufirma S. Sauer aus Ottbergen vor dem Gehäuse der Lamberti-Orgel in der Werkshalle

August 2010 - Mit dem Abbau des Instrumentes in der Pfarrkirche St. Lambertus, Stromberg haben die Renovierungsarbeiten an der wertvollen alten Orgel begonnen. Wir werden diese Arbeiten begleiten und Sie laufend über den Stand der Dinge auf dieser Homepage informieren. So können Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen über die notwendigen erhaltenden Maßnahmen und sich über das „Innenleben“ unserer wertvollen alten Orgel informieren.

Mitte August bauten Mitarbeiter der Firma „Westfälischer Orgelbau S. Sauer“ aus Höxter-Ottbergen die Orgel auseinander und transportierten sie in die Orgelbau-Werkstatt.

Zunächst wurde das komplette Pfeifenmaterial (ca. 900 Orgelpfeifen aus Zinn, Zink und Holz) aufwendig verpackt und verladen. Fast eine Tonne „klingendes Material“ verschwand im Transporter der Orgelfirma. Dann wurden die beweglichen mechanischen Teile der Spiel- und Registertraktur (mechanische Steuerungsteile) ausgebaut, bevor äußerst akribisch die ersten Gehäuseteile demontiert wurden.

Mit großer Sorgfalt zerlegten die Orgelbauer die zusammengenagelten Gehäuseteile, die kunstvoll gesägten Schleierbretter und die Profilkränze. Das alte Eichenholz des historischen Gehäuses von 1668 wurde in Kisten verpackt und mit Schaumstoff und Decken für den Transport abgesichert. Die Orgel besteht nicht nur aus dem, was vorne im Prospekt und am Spieltisch sichtbar ist, sondern ist ein komplexes Meisterwerk aus mehreren tausend Teilen.

Dabei wurde auch so manche Entdeckung gemacht: unter dem alten Motor fand sich eine Zeitungsseite vom 8. Oktober 1939 wieder. Aus dieser Zeit scheint auch wohl der alte Motor – ein sogenannter „Langsamläufer“ zu stammen – der für den herbei gerufenen Elektroinstallateur ein staunenswertes Exemplar war.

Genauso überraschte auch ein Schriftzug auf der Rückwand des Gehäuses, auf dem sich wahrscheinlich der Stromberger Tischler J. Schütte im Jahre 1898 verewigt hatte.

Mit einem fahrbaren Aufzug wurden die schweren Gehäuseteile, die Windladen und der Spielschrank von der Orgelempore in den Kirchenraum herabgelassen. Bei all diesen Arbeiten wurden mit der Kamera die einzelnen Orgelteile fotografiert und die Arbeitsprozesse des Abbaus von den Orgelbauern im Bild dokumentiert.

Nach drei Tagen war die Orgel abgebaut. Da, wo das Instrument stand, zeigt eine dunkle Wandfläche die Umrisse der Orgel. Das mehr als vier Tonnen schwere Instrument wird nun in der Orgelwerkstatt  in enger Absprache mit dem Referat für Kirchenmusik im Bischöflichen Generalvikariat Münster von Grund auf renoviert.

Richtarbeiten an der Orgelempore wurden in Angriff genommen, die sich nach der Entfernung von zwei Holzstützen gesenkt hatte. (zum Vergleich: Die Orgelempore in der Wallfahrtskirche steht auf vier Holzpfeilern). Die provisorischen Bauträger wurden wieder entfernt und durch zwei Holzpfeiler ersetzt, wie sie auch wohl ursprünglich die Orgelempore abgestützt haben. Durch das Absenken der Empore wurden die mechanischen Teile der Orgel sehr in Mitleidenschaft gezogen, so dass schließlich selbst das Öffnen der Orgeltüren zum Stimmen der Orgelpfeifen nicht mehr möglich war.

Die Arbeiten an der Orgel werden etwa 12-15 Monate in Anspruch nehmen. Die Orgelfirma hat für diesen Zeitraum ein kleines elektronisches Instrument für die Gemeindegottesdienste zur Verfügung gestellt.

Die einzelnen Phasen sind in den folgenden Bildern dokumentiert.

August 2010 - Der Abbau der Lamberti-Orgel

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April 2011 - In den vergangenen Wochen war die Orgelbauwerkstatt das Ziel von Fachleuten des Bischöflichen Generalvikariats Münster, Restauratoren und Vertretern des Kirchenvorstandes. Dabei ging es nicht nur um die Begutachtungen der aktuellen Situation zur Restaurierung des einzigartigen Instrumentes, sondern auch um Absprachen um das weitere Procedere der wertvollen Lamberti-Orgel.

Am 26. Marz besuchten Vertreter des Kirchenvorstandes zusammen mit Dechant Kemper die Orgelbauwerkstatt. Die renommierte Orgelbaufirma, die nicht nur durch den Bau der großen Paderborger Domorgel auf sich aufmerksam machte, nimmt sich mit großem Sachverstand, handwerklichem und künstlerischem Können der alten Stromberger Orgel an. Nicht nur der historische Prospekt der Orgel, die in vielen Teilen geborsten, verzogen und vom Holzwurm befallen ist, entpuppt sich als echte Herausforderung. Auch die Arbeiten am historischen Pfafenmaterial erfordern die Erfahrung und das ganze Können der Orgelbauer.

So konnten beim Besuch in der Werkstatt mitlerweile die ersten restaurierten Pfeifen auf der Intonierlade des Orgelbauers gehört werden. Anstelle von Krepp-Papier halten nun weiße Wachsstreifen die Stimmdeckel der mehr als 200 Jahre alten Pfeifen und werden erst beim Einbau und bei der Intonation in der Kirche zurecht geschnitten. Die problematischen Zinkpfeifen sind inzwischen durch gleich mensurierte neue Zinnpfeifen ausgetauscht worden und ergeben in Verbindung mit den alten Pfeifen ein bruchloses Klangbild. Andere Pfeifen mussten mühsam rekonstruiert werden, weil die alten Pfeifen so beschädigt waren, dass sie nicht mehr zu reparieren sind. Ein weiteres Problem bringt der mechanische Spieltisch von 1978, dessen beweglichen Teile nicht mehr übernommen werden können.

Zur Zeit wird an der großen Windlade des Instrumentes gebaut. Zum ersten Mal stehen dann alle Register in der Kirche und nicht im Turm bzw. Turmbogen, was besonders für die Orgelbässe hörbare Folgen haben wird. Vorher lagen die großen Basspfeifen horizontal gestapelt auf dem Fußboden der Orgelbühne und ihre klangliche Wirkung war nur von unzureichender Qualität.

Nach Ostern werden wohl die Baustützen unter der Orgelbühne durch neue Holzpfeiler ersetzt. Somit wird auch die Empore in der Lambertikirche wieder - wie in der Kreuzkirche - durch vier Pfeiler stabilisiert. Erst danach - voraussichtlich im Sommer - kann mit dem Einbau der mehr als 4 Tonnen schweren Orgel begonnen werden.

Die sieben Farbschichten, die auf dem Gehäuse nachzuweisen sind, werden nicht wieder auf die Grundfarbe rekonstruiert werden können. Die Risse, Verwerfungen und Unebenheiten werden von den Orgelbauern begradigt. Die historischen Hölzer bleiben erhalten und werden durch eine Restaurationsfirma mit einem neuen Farbanstrich versehen. Die weiteren Gehäuseteile werden Massivholz-Konstruktionen sein, weil Tischlerplatten und Sperrhölzer auch klanglich nicht mit dem historischen Gehäuse vereinbar sind. Erst danach beginnt der Einbau der etwa 900 Orgelpfeifen, die dann jeweils einzeln und im Zusammenklang auf den Raum der altehrwürdigen Lambertikirche intoniert werden - eine Arbeit von etwa 6 Wochen. Vielleicht gelingt es, dass am Christkönigsfest - also am letzten Sonntag im Kirchenjahr - die alte Orgel eingeweiht und wieder in Dienst gestellt werden kann.

August 2010 - November 2011 - Besuche in der Orgelwerkstatt Siegfried Sauer, Höxter-Ottbergen

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Diese Pfeifen waren nicht mehr zu gebrauchen und konnten am 29. Mai 2011 am  “Tag für die Orgel” erworben werden!

Oktober/Vovember 2011 - Die Arbeiten an der Orgelbühne

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November 2011 - Der technische Aufbau der Orgel                                                                                                  Ähnlich wie in der Kreuzkirche ist das Orgelgehäuse an die Emporenbrüstung gesetzt worden. So wurde es möglich, dass das gesamte Pfeifenmaterial in der Kirche erklingen kann und nicht wie zuvor in der Turm-Nische verschwindet.

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Dezember 2011/Januar 2012 - Die Arbeiten zum Anstrich der Orgel                                                                              Die Diplomrestauratorin Marlies Schlüter hat mit ihren Mitarbeiterinnen am historischen Gehäuse in mühsamer Arbeit die 6 unterschiedlichen Farbschichten beseitigt. Dabei wurden auch Ornamente vermutlich aus den 20er Jahren sichtbar. Eine Kommission aus Vertretern des Bischöflichen Generalvikariats, der Denkmalbehörde und der Pfarrgemeinde hat sich dafür entschieden, die ursprüngliche Farbgebung von 1668 wieder herzustellen.

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Januar/Februar 2012 - Der mechanische Aufbau der Orgel                                                                                             23 Registerzüge und 142 Tasten wurden mit dünnen Holzleisten an Windladen und Wellenbretter gekoppelt - in der seit jahrhunderten bewährten Bauweise der mechanischen Trakturen. Erst danach begann der Einbau und die Intonation der 940 Pfeifen in der Größe von knapp 3 Metern bis zu wenigen Zentimetern.

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18. März 2012 - Festliche Orgelweihe! Die Orgel erstrahlt in neuem Glanz!

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